Fledermäuse in der Stadt 2019 – gebäudebewohnende Arten

Fledermausvielfalt in Zürichs Innenhöfen

Mit Hilfe von Citizen Science wurde im Projekt „Gebäudebewohnende Fledermäuse in der Stadt“ die Fledermausvielfalt in Innenhöfen der Stadt Zürich untersucht. Ziel des Projektes war es, die Be­völkerung für die heimlichen Königinnen der Nacht zu sensibilisieren, Fledermaus-Quartiere zu identifizieren und die Nutzung von Innenhöfen durch Fledermäuse als Jagdgebiete zu erfassen. Die Resultate ermöglichen es, Empfehlungen für fledermausfreundliche Innenhöfe zu erarbeiten.

Mit vielen Freiwilligen den Fledermäusen auf der Spur

Vom 4. Juni bis am 9. September wurden in 51 städtischen Innenhöfen mit bioakustischen Gerä­ten die Fledermausrufe aufgezeichnet. Ausserdem wurden 27 bekannte Gebäudequartiere auf ihre Nutzung durch Fledermäuse überprüft. Die Feldarbeiten wurden von 24 StadtNaturBeobach­ter*innen und von StadtNatur-Mitarbeiterinnen durchgeführt.

Aufnahme der Fledermausaktivität in einem Zürcher Innenhof.
51 verschiedene Innenhöfe über die ganze Stadt verteilt wurden auf deren Fledermausaktivität untersucht.
Viel Aktivität und eine grosse Vielfalt

Bei der Analyse der Ultraschallaufnahmen wurden 5172 Fledermaussequenzen identifiziert. In jedem der 51 Innenhöfe wurden Fledermausrufe aufgenommen, jedoch in unterschiedlicher An­zahl (5-439 Sequenzen, durchschnittlich 101 Sequenzen). Die meisten Rufe stammten von Weiss­randfledermäusen (Pipistrellus kuhlii) und Zwergfledermäusen(Pipistrellus pipistrellus). Es konn­ten aber auch erstaunlich viele Grosse Abendsegler (Nyctalus noctula) nachgewiesen werden, ausserdem an zwei Standorten Mückenfledermäuse (Pipistrellus pygmaeus), sowie an drei Stand­orten Wasserfledermäuse (Myotis daubentonii). Die Fledermausaktivität nahm tendenziell mit zunehmender Temperatur, zunehmender Baumbedeckung, zunehmender Distanz zum Wald und abnehmender Distanz zu Gewässern zu.

Es wurden 27, in den letzten Jahren gemeldete Fledermausquartiere kontrolliert. Nur in zwei dieser Quar­tiere wurden Fledermäuse nachgewiesen. Während den Quartierkontrollen wurden aber vier bisher unbekannte Fledermausquartiere gefunden.

Wichtige Wasserflächen

Bäume und kleine Gewässer in Innenhöfen haben eine positive Wirkung auf die Präsenz jagender Fledermäuse. Zur Förderung der städtischen Fledermausfauna empfiehlt es sich deshalb, beste­hende Bäume zu erhalten, neue Bäume zu pflanzen und Wasserstellen wie Teiche oder Brunnen mit flachen Wasserbereichen anzulegen. Letztere werden von Fledermäusen und je nach Zugäng­lichkeit auch von anderen Wildtieren und Vögeln als Trinkstellen genutzt.

Bekannte Fledermaus-Gebäudequartiere wurden auf ausfliegende Fledermäuse kontrolliert.
Wasserstellen in Innenhöfen zeigten sich als sehr wichtige Trinkmöglichkeit für Fledermäuse.
Finanzierung des Projekts

Folgende Stiftungen, Institutionen und Organisationen haben das Projekt finanziell unterstützt: Bundes­amt für Umwelt BAFU, Erica Stiftung, Else v. Sick Stiftung, Ernst Göhner-Stiftung, Eva Husi-Stiftung für Tier­schutz, Stiftung EXEKIAS, Forma Futura Invest AG, Stierli Stiftung, Stotzer-Kästli-Stiftung, Stiftung Temperatio, Uranus Stiftung, Vontobel-Stiftung, Arbeitsgemeinschaft SWILD, Grün Stadt Zürich und zwei Stiftungen, die nicht genannt werden möchten. Ihnen allen sei an dieser Stelle herzlich gedankt!

Artporträt

Pipistrellus kuhlii
Nyctalus noctula
Myotis daubentonii
Pipistrellus pipistrellus