Gärtnern

Wunderstrauch Schwarzer Holunder

16.05.2020, Claudia Kistler

Meiner Meinung nach gehört der Holunder in jede Hecke, in jeden Garten, in jede Parkanlage. Der robuste Strauch ist ökologisch äusserst wertvoll und wächst problemlos an vielen Standorten. Viele Wildtierarten ernähren sich von seinen Blättern, Blüten und Beeren. Dem Menschen spendet er seine Heilkraft und wohlriechende Zutaten für leckere Gerichte. Meine persönliche Holundergeschichte hat mit Hühnern zu tun.
Am Anfang war das Huhn

Als wir in unserem Quartiergarten die Haltung einer kleinen Hühnergruppe planten, stand für mich fest: In einen Hühnerhof gehört ein Schwarzer Holunder! Zum einen mag ich den Holunder mit seinen prächtigen weissen Blütendolden sehr. Zum anderen soll der Holunder vor bösen Geistern schützen und fehlt darum seit jeher auf keinem Bauernhof. Für mich entscheidend waren aber eher seine biologischen Vorzüge, insbesondere dass er schnell wächst. Denn auf der für die Hühner vorgesehenen Wiese wuchsen weder Bäume noch Sträucher, die ihnen hätten Schatten spenden können.

 

 

Der Holunder passt überall hin, ob Garten, Parkanlage oder Böschung.

 

Vom Zweig zum stolzen Strauch

Also machte ich mich auf und holte mir einen Steckling von einem der vielen Holunder, die im nahen Wald wachsen. Schon nach kurzer Zeit entwickelte das Zweiglein, das ich in ein wassergefülltes Glasgefäss gestellt hatte, zu meiner Freude erste Wurzeln. Im Jahr darauf war daraus bereits ein kleiner Strauch herangewachsen. Diesen verpflanzte ich schliesslich zu gegebener Zeit feierlich an den ausgewählten Platz auf der Hühnerwiese und seitdem gedeiht er prächtig!

 

 

Der kleine Holunderstrauch, gepflanzt im Jahr 2014,…

 

… ist bis heute zu einem stattlichen Strauch herangewachsen.

 

Holunder-Biologie

Der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) gehört zur Familie der Bisam- oder Moschuskrautgewächsen (Adoxaceae). Weitere einheimische Arten sind der Zwergholunder (S. ebulus) und der Rote Holunder (S. racemosa). Zu dieser Familie gehören auch die Wildsträucher der Gattung Schneeball (Viburnum). Die weissen, doldenartig angeordneten Blüten erscheinen zwischen Mai und Juni. Die schwarzen, kugelförmigen Beeren sind im August bis September reif. Auch sie sind doldig angeordnet. Die Sträucher sollen hundert Jahre alt werden können!
 

 

Dieser uralte Holunder wächst in einem Hinterhof an der Zürcher Langstrasse mitten im Kreis 4.

Seine Verbreitung erstreckt sich von Europa über Asien bis nach Nordafrika. In Mitteleuropa kommt er in tiefen Lagen bis auf 1400m über Meer vor. Man findet ihn in Mischwäldern, an Waldrändern, aber auch in Siedlungsgebieten. Er liebt es feucht und halbschattig, kann aber auch an sonnigen Standorten gedeihen, auch das Stadtklima hält er aus. Der schnellwüchsige Strauch kann bis zu sieben Meter hoch werden und ist ein Nährstoffzeiger, das heisst, er gedeiht auf stickstoffreichen Böden.

 

 

Auch in höheren Lagen gedeiht der Schwarze Holunder.

 

Von der Wurzel bis zur Blattspitze

Vom Holder lässt sich alles nutzen. Seit eh und je finden seine Blüten, Früchte, Blätter und Wurzeln in der Küche, der Apotheke, als Kosmetikzusatz oder Färbemittel Verwendung. Alle Teile weisen eine pharmakologische Wirkung auf und so hat er als Heilpflanze eine lange Tradition. Als Beispiele seien hier der wohlriechende Tee aus den getrockneten Blüten oder der Saft aus den Vitamin C reichen Beeren erwähnt, die beide gegen Erkältungen helfen. Die Beeren sind schwach giftig und müssen vor dem Verzehr erhitzt werden. Die Rinde hat eine stark abführende und Urin-treibende Eigenschaften. Sein Holz mit dem weichen, schaumigen Mark ist für den Bau nicht geeignet, es wird aber im Kunsthandwerk und für die Herstellung von Instrumenten wie zum Beispiel Flöten verwendet. In mehreren europäischen Ländern werden verschiedene Holundersorten zu wirtschaftlichen Zwecken im grösseren Stil angebaut.

 

 

Die weissen, doldig angeordneten Holunderblüten haben eine feine Duftnote.

 

 

Die Beeren können zu einer wunderbar schmeckenden, dunkelvioletten Konfitüre eingemacht werden. © Jon Sullivan / flickr.com

 
Ökologischer Superstar

Den Holunderstrauch hatte ich aber nicht nur als Schattenspender für meine Hühner gepflanzt, sondern vor allem auch wegen seines hohen ökologischen Werts. Er ist einer der wichtigsten fruchtragenden Wildsträucher. Diverse Vogelarten bauen ihre Nester ins dichte Blattwerk und ernähren sich von seinen Beeren. Bei uns im Hühnerhof macht sich jeweils die Spatzenschar über die Beeren her und auch die Amseln finden sich ein zum Beerenschmaus. Ebenso Säugetiere und natürlich viele Insekten profitieren vom Nahrungsangebot, auch solche, die man nicht so gerne sieht wie die Blattläuse. Doch die Meisen freuts, sie lesen die Lästlinge fleissig ab und verfüttern sie dem Nachwuchs. Und irgendwann verschwinden die Läuse von selbst. Der Holunderzünsler (Phlyctaenia coronata), ein Kleinschmetterling, ist, wie der Name verrät, stark an die Holunderarten gebunden. So gut wie der Strauch wächst, scheinen ihm die Fressmäuler nicht zu schaden.

 

Und so ist der stattliche Holderstrauch mittlerweile zu einem Lieblingsplatz unserer Hühnerschar geworden, unter dem sie nach Lust und Laune scharren, ausruhen und sandbaden können.

 

 

Ursprünglich sind Hühner Waldbewohner; daher schätzen sie den Holunder auch als Versteck.

 

 

alle Bilder Claudia Kistler / stadtwildtiere.ch

 

 
Weiterführende Informationen

Margot Fischer. Holunder. mandelbaums kleine gourmandise Nr. 5: Ein hübsches Büchlein mit kulturellen Aspekten und Rezepten.

Sambucus nigra L. M. D. Atkinson & E. Atkinson. 2002. Journal of Ecology, 90, 895–923 (abstract)

info flora

 

 

 

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