Küche

Unkraut essen statt bekämpfen

17.04.2020, Katja Rauchenstein

Wir Menschen sind wahre Meister im Kategorisieren und teilen die Welt nach unseren Vorstellungen ein. So unterscheiden wir in Nützlinge und Schädlinge, gutes und schlechtes Wetter, Haustiere und Nutztiere. Unkraut wird rigoros ausgerissen und bekämpft, Gartenpflanzen werden gedüngt, gehegt und gepflegt. Dass die Welt jedoch kunterbunt statt nur schwarz oder weiss ist, zeigen uns die äusserst vielfältigen Wildkräuter.
Böses Unkraut oder doch hilfreiches Wildkraut?

Die meisten Wildkräuter lösen im Garten eine Flut von Bekämpfungsmechanismen aus. Es werden Gartenharken und Schaufeln aus dem Schrank gerissen, grosszügig Gifte versprüht und unter Schweissausbrüchen und wilden Flüchen stundenlang Unkraut gezupft. Eigentlich müsste man nur den Blickwinkel ändern, damit wieder Frieden herrscht im Garten. Viele Wildkräuter haben nämlich äusserst gute Eigenschaften. Zahlreiche haben eine heilende Wirkung, sind essbar, gesund und bringen neue Geschmäcker in die Küche. Ausserdem sind die einheimischen Wildkräuter von immenser Bedeutung für viele Insekten und Wildtiere. Erkennt man den Mehrwert des „Unkrauts“, kann man sich über dessen schnelle Vermehrung im Blumenbeet vielleicht sogar freuen. ;)

Die brennende Wunderpflanze

Brennnesseln haben wahrlich keinen guten Ruf – kurz unbeabsichtigt die Brennhaare berührt und schon steigt die Pflanze auf der eigenen Unbeliebtheitsskala. Für viele Schmetterlingsarten wie beispielsweise den Admiral, den kleinen Fuchs oder das Tagpfauenauge sind Brennnesseln jedoch überlebenswichtige Futterpflanzen. Und auch für uns Menschen haben Brennnesseln positive Eigenschaften: Sie fördern den Stoffwechsel, wirken entzündungshemmend und mit den Inhaltsstoffen wie Vitamin C, Kalzium oder Eisen stärken sie unser Immunsystem. Besonders die jungen Blätter sind mit ihrem zartwürzigen Geschmack gut zum Kochen oder für einen Tee geeignet. Tipp: Mit Gartenhandschuhen ernten!

Sonnenschein auf dem Teller

„Chrottepösche“, „Söiblueme“ oder „Weiefäcke“ – genauso vielfältig wie sein Name sind auch die Anwendungsbereiche des Löwenzahns. Die Vitamin A und C enthaltenden Löwenzahnblätter sind angenehm nussig im Geschmack und können als Salat, Suppe oder gekocht als „Löwenzahnspinat“ zubereitet werden. Auch die wunderschön gelben Blüten eignen sich als tolle Deko oder lassen sich zu Gelee oder Honig verarbeiten.

Gratissalat statt Ärgernis

Giersch ist eines der hartnäckigsten „Unkräuter“ im Garten – also ein idealer Kandidat für den Versuch, die positiven Seiten hervorzuheben und sich künftig über den Gratissalat zu freuen. Mit einem leicht scharfen und frischen Geschmack bringen die Gierschblätter den Frühlingsgeschmack in die Küche und geben so manchem Gericht den letzten Schliff. Ausserdem ist Giersch reich an Vitamin C und hat eine entzündungshemmende Wirkung.

Kochlöffel statt Gartenharke

So unterschiedlich die drei vorgestellten Pflanzen auch sind, eines haben sie gemeinsam: Den Begriff „Unkraut“ haben sie wahrlich nicht verdient! Nehmen Sie statt der Gartenharke lieber den Kochlöffel in die Hand und lassen Sie einen Teil der Wildkräuter für die Wildtiere in Ihrem Garten stehen.

 

Wie man diese drei „Unkräuter“ in einem feinen Frühlingsessen vereinen kann, sehen Sie in der folgenden Bilderreihe:

 

 

Gut zwei Handvoll Giersch-, Löwenzahn- und Brennnessel-Blätter sammeln. Für die Dekoration Gänseblümchen und Löwenzahnblumen pflücken. Die Kräuter gut waschen und klein schneiden.

 

 

Frühlingszwiebeln kurz anbraten, Gemüse Ihrer Wahl dazu geben (zB. Broccoli, Zucchetti und Spargeln) und mit Gemüsebrühe ablöschen. Das Gemüse bei geschlossenem Deckel dünsten lassen und parallel die gewünschten Teigwaren kochen.

 

 

Die Wildkräuter mit dem Gemüse vermischen und Crème fraîche, etwas Salz und Pfeffer dazu geben. Zu guter Letzt die Gemüse-Kräuter-Pfanne mit den Teigwaren vermengen.

 

 

Guten Appetit mit dem frühlingshaften „Unkraut“-Essen!

 

 

alle Bilder @ Katja Rauchenstein / stadtwildtiere.ch

 

Buchtipp:
Der Giersch muss weg! 28 Unkräuter bekämpfen oder einfach aufessen. Susanne Hansch und Elke Schwarzer. 2019.

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