Gärtnern

Balkongarten: Wer früh sät, geniesst im Sommer

07.09.2020, Claudia Kistler

Der April ist für die Gärtnerin ein zentraler Monat. Denn jetzt legt sie den Samen für die spätere Blütenpracht und eine reichliche Ernte. Im Balkongarten soll ein bunter Mix aus Küchenkräutern, Gemüse, Blumen und Wildpflanzen Platz finden, der auch Wildbienen und Schmetterlinge anlockt. Wenn ich dann im Sommer in meinem grünen Dschungel sitze und von den selber gezogenen Sardegna-Tomaten nasche, bin ich glücklich, im Frühjahr so zeitig mit der Aussaat begonnen zu haben.
Die Samen liegen bereit

Im April gibt’s also viel zu tun. Die Samen habe ich bei Sativa und Zollinger schon im Februar bestellt, sie liegen bereit. Glücklicherweise hatte ich noch einen Sack Aussaat-Erde ergattert, bevor der direkte Verkauf eingestellt wurde. Aber es gibt auch jetzt noch Bezugsquellen für Erde.

Sonnenhungrige Tomaten

Die Tomaten, die Peperoni und Chilli habe ich bereits im März ausgesät, die sind schon hübsch gewachsen. Auch die orangen Kosmeen und die Zinien recken ihre Blättchen schon Richtung Sonne. Momentan steht die versammelte Pflanzenschar noch auf meinem Küchentisch hinter dem wärmenden grossen Fenster. Aber schon bald werde ich sie tagsüber auf den Balkon stellen. Im Mai erhalten die Tomaten auf dem Balkon je einen grossen Topf, die Blumen verteile ich über verschiedene Gefässe.
Während die Keimung keine direkte Sonneneinstrahlung braucht, wollen die Jungpflänzchen schnell als Licht. Daher aufgepasst, dass sie nicht zu stark schiessen. Ich topfe sie nach der Aussaat jeweils bald um in etwas grössere Töpfe und setze sie tief, damit sie kräftig werden. Ringel- und Sonnenblumen muss ich mittlerweile gar nicht mehr anziehen. Weil ich die Samenstände jeweils stehen lasse im Herbst, wachsen sie von alleine.

Der Dill macht, was er will

Als nächstes stehen die Kräuter an. Basilikum und Bohnenkraut mögen es gerne hell, sie sind sogenannte Lichtkeimer. Ihre Samen werden lediglich auf die Erde gesät und dann angegossen. Da sie gerne in kleinen Gruppen stehen, kommen jeweils ein paar Samen in kleine Töpfe. Die Jungpflanzen setze ich später zusammen in einen grösseren Topf um und wärmebedürftig wie sie sind, dürfen sie erst im Mai hinaus an die frische Luft. Der Dill, der macht was er will. Daher gebe ich, wo es passt, ein paar Samen zwischen die anderen Balkonpflanzen und hoffe, dass er bei mir sein mag und vielleicht sogar einen Schwalbenschwanz anlockt, dessen Raupe sich gerne von ihm ernährt.

Petersilie und Schnittlauch mögen es halbschattig

Auch die Petersilie bekommt ihren Platz direkt draussen. Lässt man sie im Herbst stehen, dann blüht sie im folgenden Jahr und bildet dekorative Samenstände. Sie gehört wie der Dill zu den Doldenblütlern und diese sind äusserst beliebt bei den kleinen Schwebefliegen und Wildbienen. Es ist jeweils eine wahre Freude, das emsige Tun der Winzlinge zu beobachten. Die Schwebefliegen sind besonders beliebt bei mir, denn ihre Larven fressen Läuse! Und sie gehören neben den Bienen zu den wichtigsten Bestäubern.
Ich habe Glück: Der «Peterli» hat fleissig ausgesamt und spriesst in allen Töpfen. Die kräftigen werde ich in einen für sie reservierten Topf umsetzen. Das Küchenkraut mag es wie der Schnittlauch eher halbschattig und nicht zu heiss. Auf dem sonnigen Südbalkon gedeihen der mehrjährige Rosmarin und Thymian hervorragend, die ich jedoch beide als Stauden erworben habe.

Für den Salatteller

Für den kleineren Balkon eignen sich auch Pflücksalat, Rucola und Radiesli. Sie alle können direkt draussen angesät werden. Dieses Jahr habe ich ein paar Erbsen in einen grossen Topf gesteckt und zwar die süssen Knackerbsen, die man samt Schote essen kann. Auch Stangenbohnen will ich heuer in meinen Balkongarten integrieren, als Sichtschutz und Schattenspender. Als Begleitung säe ich Bohnenkraut hinzu. Doch warte ich damit bis Mai, bis es auch nachts wärmer ist.

Die Wilden sind überall

Was natürlich nie fehlen darf in meinem Balkonien, sind allerlei Wildblumen. Auch sie können jetzt noch angesät werden. Je nach Lage des Balkons achte man auf eher sonnenhungrige oder schattenliebende Saatmischungen. Das Schöne bei den Wilden ist, dass sie aussamen und sich ausbreiten. Die Freude ist jeweils gross, wenn ich im nächsten Jahr einen Wiesensalbei oder die hübsche Flockenblume an einem neuen Ort entdecke.

 

Die Tomaten mögens es warm. Daher kommen sie erst im Mai nach draussen.

Sativa und Zollinger sind bewährte Adressen für Bio-Saatgut.

 

 

 

Der Kerbel gehört auch zu den Doldenblütlern. Seine Samen helfen bei der Verdauung, vor allem von Kohlgerichten.

Die Gewächse dieser Familie werden von vielen Insekten als Nahrungsquelle geschätzt.

 

Die Raupe des Schwalbenschwanzes, in der Schweiz auch Rüebliraupe genannt, frisst gerne an Doldenblütlern wie Dill oder den namensgebenden Möhren, auf Schweizerdeutsch Rüebli.

 

 

Die Petersilie ist eine zweijährige Pflanze, im ersten Jahr produziert sie die schmackhaften Blätter, im zweiten Jahr blüht sie. Lässt man die Samenstände stehen, samt sie selber aus. Jetzt im April ist sie schon weit gediehen. Blüten und Blätter der Kapuzinerkresse (im Hintergrund) können für den Salat verwendet werden.

Die Ringelblume ist Heil- und essbare Pflanze. Sie kann problemlos aus Samen gezogen werden und samt auch selber gerne aus.

 

 

 

Lippenblütler, wie der Wiesensalbei, sind wertvolle Nahrungsquellen für die Wildbienen.

Der Kleine Wiesen-Bocksbart, eine hübsche einheimische Pflanze.

Einige Bezugsquellen für Erde

Veg and the City, Zürich und Winterthur

Hauenstein

Holderrieds Pflanzenwelt

Chutzegarten, Bremgarten bei Bern

Eichberg, Seengen

 
Bezugsquellen Samen

Sativa
Zollinger
Veg and the City
Saemereien.ch

 
Bücher und Ratgeber

Gärtnern für Tiere

Hauptverlag, Stichwort Balkon

Saemereien.ch

Bioterra

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